Rund 160 Besucherinnen und Besucher kamen am 12. Oktober 2026 in den Evangelischen Gemeindesaal St. Johannes. Die SPD Mering hatte um 19:30 Uhr zur Podiumsdiskussion „Zugstreichungen“ eingeladen. Anlass war die Meldung, dass die DB InfraGo ab 2028 bis zu zwölf Züge täglich zwischen Augsburg und München streichen will, vor allem in den Hauptverkehrszeiten. Betroffen wären auch die Halte Mering und Mering St. Afra.
Von Jörn Heller
Noch während der Veranstaltung kam die Meldung des BR, dass die Bahn ihre Streichpläne zurückgenommen hat. Eine gute Nachricht, aber keine Entwarnung, wie die Zahlen des Abends zeigten.
Das Podium

Bild: Jörn Heller
Die Zahlen: Der Bedarf wächst rasant
Herbert König referierte rund 45 Minuten, von 19:45 bis 20:30 Uhr, und zeigte die erwartete Entwicklung:
- Güterzüge: Verdopplung von 112 auf 224 pro Tag
- Fernverkehr: Anstieg von 90 auf 140 Züge pro Tag
- Pendler: Verdopplung in etwa zehn Jahren
Die Engpässe liegen laut König vor allem in der Infrastruktur, besonders in den Bahnhöfen Augsburg, München-Pasing und München Hbf. Sehr langfristig sei eine Entlastung des Raums Augsburg vom Güterverkehr denkbar, wenn dieser über überregionale Strecken via Ingolstadt nach München geführt wird.
Die Statements
- Landrat Dr. Marc Sturm (FW) trat betont sympathisch auf. Er nannte eine Vollsperrung der Strecke für den Nahverkehr vom 15. Oktober bis 12. November 2027, die gemeinsam gemeistert werden müsse. Der Landkreis wolle alles tun, um die Situation erträglich zu machen. Er sagte zu, sich für Pendler und ÖPNV einzusetzen, und tausche sich dazu mit den Landräten der Nachbarlandkreise aus. Außerdem berichtete er, dass der defekte Aufzug am Bahnhof Mering laut Bahn bis Januar 2027 außer Betrieb bleibt.
- Peter Tomaschko (MdL, CSU) blieb wortreich allgemein. Konkrete Maßnahmen nannte er nicht. Auf Rückfrage stellte er klar, dass ihm vor allem der Erhalt des Status quo wichtig ist.
- Dr. Simone Strohmayr (MdL, SPD) sprach als Pendlerin aus eigener Erfahrung über überfüllte Züge. Der Freistaat fordere mehr Kapazitäten. Den bayerischen Verkehrsminister habe sie mehrfach angeschrieben, eine Antwort stehe bisher aus. Sie forderte zudem eine bessere Bahnhofsinfrastruktur, etwa beim defekten Aufzug in Mering.
- Jörg Lange (ProBahn) wies auf die fehlende Finanzierung hin: Die Regionalisierungsmittel, mit denen der Bund die Länder für den Nahverkehr finanziert, steigen nur um 2 bis 3 Prozent pro Jahr, ein Wert ohne Verhältnis zum erwarteten Wachstum. Auch die Zuzahlungen des Freistaats reichten nicht aus. Nach seiner Darstellung erlaubt das Eisenbahnregulierungsgesetz bei der Trassenvergabe die Wahl zwischen Nah- und Fernverkehr und schreibt keine Priorisierung vor. Er bat alle Anwesenden, den Druck auf Berlin zu erhöhen.
Fragen aus dem Publikum
Im Anschluss konnte das Publikum Fragen stellen. Eine Frage lautete, warum nicht sofort die 1. Klasse abgeschafft wird, um mehr Platz zu schaffen. Mehrere Podiumsgäste erklärten, dass dies die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) und damit der Freistaat entscheiden könne. In diesem Zusammenhang wurde auch auf die bevorstehende Sperrung der Autobahn A99 am Allacher Tunnel hingewiesen.
Mein Fazit
Der Rückzieher der Bahn ist erfreulich, löst aber das Grundproblem nicht: Die Zahlen von Herbert König zeigen, dass die Kapazitäten dringend wachsen müssen, bei Infrastruktur wie bei Finanzierung. Von der Landespolitik hätte ich mir mehr Konkretes gewünscht. Positiv: Landrat Sturm zeigte Verantwortung für die Sperrungen 2027. Und Jörg Lange gab dem Publikum eine klare Aufgabe mit.
Die UWG dankt der SPD Mering ausdrücklich für die Organisation dieses gelungenen Abends und Stefan Hummel für die hervorragende Moderation.