Eklat im Gemeinderat: Abriss des Sportheims scheitert an kuriosem Abstimmungsverhalten

Die jüngste Sitzung des Meringer Gemeinderats am vergangenen Donnerstag, den 27. November 2025, brachte ein Abstimmungsergebnis hervor, das für Verwirrung und harsche Kritik sorgt. Der geplante Beschluss zum Abriss des alten Sportheims am Kindergarten Farbkleckse scheiterte, nicht aufgrund inhaltlicher Ablehnung, sondern wegen fehlender Transparenz und einem ungewöhnlichen Verhalten einzelner Ratsmitglieder.
Fehlende Grundlagen und Antrag auf Vertagung
Die Diskussion drehte sich primär um die Entscheidungsgrundlage: Bereits in den Jahren 2012 und 2015 beschloss der Gemeinderat den Abriss, damals noch unter der Prämisse, dass das Grundstück zur Erweiterung des Kindergartens Farbkleckse benötigt würde. Diese Begründung ist durch den Bau eines weiteren Kindergartens inzwischen obsolet.
Die UWG-Fraktion monierte – unterstützt von den Grünen –, dass die Vorlage entscheidende Unterlagen aus den Beschlüssen von 2012 und 2015 vermissen ließ. Es ging nicht darum, den Abriss des alten Sportheims infrage zu stellen, sondern darum, eine fundierte Entscheidung treffen zu können.
Die UWG-Fraktion war nicht gegen den Abriss
Wichtig zu verstehen ist: Die UWG-Fraktion war nicht gegen den Abriss, sondern forderte lediglich die vollständige Entscheidungsgrundlage, um alle Fakten zu kennen.
In diesem Kontext stellte Gemeinderätin Petra von Thienen (Grüne) den Antrag auf Vertagung der Abstimmung, um der Verwaltung die Möglichkeit zu geben, die fehlenden Dokumente nachzuliefern. So bot sich allen Beteiligten die Chance, die Abstimmung zu verhindern und mit einem ordentlich vorbereiteten Beschluß in Kürze zu wiederholen. Das hätte auch Bürgermeister Florian A. Mayer erkennen müssen.
Das Abstimmungs-Drama: 10 zu 10
Was dann jedoch folgte, war ein denkwürdiges Abstimmungs-Prozedere, das vom überraschenden Fehlen mehrerer Ratsmitglieder geprägt war.
- Fehlende Mandatsträger: Vier CSU-Räte verließen während der laufenden Diskussion den Sitzungssaal. Die SPD war bereits seit Sitzungsbeginn mit zwei entschuldigten Räten nicht vollzählig anwesend.
- Vertagung scheitert (10:10): Die Abstimmung über den Antrag der Grünen zur Vertagung endete mit 10 Ja-Stimmen zu 10 Nein-Stimmen. Bei einem Patt gilt ein Antrag als abgelehnt.
- Abriss scheitert (10:10): Unmittelbar danach wurde über den eigentlichen Beschluss zum Abriss abgestimmt. Das Ergebnis: wieder 10 zu 10. Auch dieser Antrag wurde somit abgelehnt.
Die Folge: Der Abriss des alten Sportheims ist vorerst gestoppt. Das kurioserweise durch eine Situation, in der die eigentlich für den Abriss votierenden Fraktionen (CSU und SPD) durch das Fehlen eigener Mitglieder keine Mehrheit organisieren konnten.
Zum Verständnis: Die UWG war mit 5 Ratsmitgliedern und die Grünen mit 4 in der Sitzung anwesend.
Die ungeklärten Fragen und der Vorwurf der Vertuschung
Besondere Brisanz erhält die Situation durch eine von Seiten der CSU vorgetragene Frage nach möglichen ungeklärten Verträgen auf dem Grundstück. Es steht der Verdacht im Raum, dass auf dem Areal vertraglich gesicherte Belastungen liegen, die bei der Entscheidung 2012/2015 unberücksichtigt blieben oder bewusst nicht offengelegt wurden.
Steckt hinter dem bewussten Verlassen des Saales von Ratsmitgliedern eine mögliche Taktik, um sich einer unliebsamen Abstimmung zu entziehen? Ein solches Vorgehen verhinderte hier zwei Mal den notwendigen Beschluss und stellt die Fähigkeit der Ratsmitglieder, in dieser wichtigen Frage einen Konsens zu finden und ihrer Verantwortung nachzukommen, infrage.
UWG fordert Transparenz
Die UWG fordert weiterhin
- Lückenlose Offenlegung aller Unterlagen zu den Beschlüssen 2012 und 2015.
- Klärung der Gerüchte um bestehende Verträge des Grundstücks.
Der aktuelle Zeitungsbericht der Friedberger Allgemeinen, der fälschlicherweise die UWG für das Scheitern des Abrisses verantwortlich macht, ignoriert die eigentliche Ursache: das Fehlen einer transparenten Entscheidungsgrundlage und das kuriose Abstimmungsverhalten der Mehrheitsfraktionen. Die UWG steht für eine verantwortungsvolle Politik, die alle Fakten auf den Tisch legt, bevor sie weitreichende Beschlüsse fasst.




2 Kommentare
Falah Irene · 3. Dezember 2025 um 13:06
Das sind ja sehr interessante Fakten, sieht die Sache gleich ganz anders aus.
Jörn Heller · 9. Dezember 2025 um 20:38
Ja das stimmt, Irene Falah und danke für den Kommentar. Leider hat auch die Zeitung die Informationen nicht korrekt wiedergegeben. Schade.